Jugendstrafrecht


Einen weiteren Schwerpunkt meiner Tätigkeit stellen generell Strafverfahren gegen Jugendliche dar, hier insbesondere Gewaltdelikte. Aktuell gibt es bei den Staatsanwaltschaften die Tendenz, Gewaltdelikte bei Jugendlichen in einem erheblich größeren Umfang als in der Vergangenheit zu verfolgen und Anklage zu erheben. Hier ist eine frühe Kontaktaufnahme mit den Erziehungsberechtigten, der Jugendgerichtshilfe sowie auch im Ermittlungsverfahren bereits mit der Staatsanwaltschaft ganz entscheidend.

Das Jugendstrafrecht sieht auch für den Fall einer Anklage Möglichkeiten vor, eine Inhaftierung des Jugendlichen zu verhindern. Zu nennen wäre hier die „Vorbewährung“, die in Fällen angestrebt wird, bei welchen zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung eine Bewährungschance noch unsicher ist. Dies bedeutet, dass im Urteil zunächst ein Schuldspruch wegen der angeklagten Tat erfolgt. Die Frage der Bewährung wird dann in einem gesonderten (späteren) Verfahren entschieden. In der Zeit zwischen dem Urteil und der Entscheidung über die Frage, ob Bewährungsaussetzung möglich ist, bedarf es also deshalb eines engen Kontaktes zwischen dem Jugendlichen und dem Verteidiger, um die im Sinne der Bewährungsaussetzung erforderlichen günstigen Umstände zu erarbeiten.

Auch für den Fall, dass eine Strafe ohne Bewährung erkannt wird, besteht immer noch die Möglichkeit, dass der Jugendliche nach einem Teil der verbüßten Strafe an einem Projekt teilnehmen kann. Ist der Jugendlichen bereit, an diesem Projekt teilzunehmen, wird die noch ausstehende Reststrafe erlassen bzw. zur Bewährung ausgesetzt (nach erfolgreichem Abschluss). Die Dauer dieser Maßnahme beträgt bis zu einem Jahr und kann ggf. verlängert werden.
Da bei Jugendlichen mit Immigrationshintergrund, je nach Schwere der Straftaten, auch ausländerrechtliche Maßnahmen (Abschiebung etc.) drohen, kann die erfolgreiche Teilnahme an einem Projekt bewirken, dass der Jugendliche nicht abgeschoben wird, sondern in Deutschland bleiben darf.